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Eines Abends saßen Bauern am Wirtstisch zusammen und am Nebentische, aber in Hörweite des Velten, dem
Feldschütz der Gemeinde. Das Gespräch der Bauern sickerte so langsam, um nicht langweilig zu sagen, dahin.
Da entdeckten sie den alten Velten, wie er angestrengt die Ohren spitzte, dass ihm ja nichts, was am Nebentisch
gesprochen wurde, entging. Schlitzohrig wie sie waren, brauchten sich die Bauern nicht lange zu verständigen.
Der muss hereingelegt werden. Bald kam das Gespräch auf das alte Steinenschloss.
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Auch das „Schloßhännes´che“ war bald im Gespräch, das, wie sie sagten, es jetzt gerade wieder recht
arg treibe. Untat über Untat wurde erzählt. Jeder wusste mehr als der Nachbar. Auch auf den Goldschatz im
Berge kam man. Dabei wurden die Bauern zunächst einsilbiger, als wollten sie etwas verhehlen. Als sie aber
merkten, wie der Velten nebenan leiser näherrückte und seine Ohren immer länger wurden, da schauten sie
sich mit verstohlenem Lächeln an und wussten, wie viel die Uhr geschlagen hatte. Leise, oft nur hinter
vorgehaltener Hand, ging die Unterhaltung weiter, von der nur die nötigen Brocken an Veltens Ohr drangen. Da war
die Rede davon, dass morgen Vollmond sie, dass man um Mitternacht in der Mitte des Burghofes bei der alten Eiche ganz
still, ohne zu sprechen und zu spucken, graben müsse.
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Es gab noch viele Wenn und Aber. Velten aber hatte genug gehört. Er nahm seinen Schützenhut und
verschwand durch die Tür der Wirtsstube. Beinahe hätte er seinen sonst so devoten Gruß vergessen. Kaum hatte
sich die Tür hinter dem Schützenvelten geschlossen, da erschallte am Bauerntisch ein mächtiges
Gelächter. Da hatten sie mal wieder einen Leichtgläubigen richtig hereingelegt. Am nächsten Tag versah
Velten sein Schützenamt wie immer. Innerlich aber erfüllte ihn eine ganz besondere Unruhe, die seine
Gedanken ganz verwirrte.
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Und oft sah er von der hohen First oder vom Moschelberg hinüber zum Schlosswald, hinter dessen
Baumwipfeln die oberste Kante des Turmes kaum zu erkennen war. Endlich kam der Abend heran. Heute strebte er bald
seinem Häuschen zu und dachte nicht an die Feldfrevler, die gerade das hereinbrechende Dunkel für ihr
verwerfliches Treiben bevorzugten. Nach dem Nachtessen nahm er die Zeitung zur Hand. Nur oberflächlich
überflog er die Seiten. Seine innere Unruhe ließ ihm keine Zeit zum Verweilen. Auch der Kalender konnte ihn nicht
fesseln. Er sah nur den dicken, runden Vollmond, dessen Bild ihm hinter dem heutigen Datum in die Augen stach. Als die
Zeiger der Wanduhr schon ziemlich weit vorgerückt waren, stand er auf und ging hinaus in seinen Schuppen hinterm
Haus.
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Ein altes Hufeisen, das er irgendwo einmal gefunden hatte, lag da. Velten packte es mit zwei Händen und
durch den Kopf ging ihm ein Gedanke. Würde dieses Eisen nun endlich sein Geschick wenden und Glück für
ihn und sein Haus bringen? Nun waren alle Zweifel verflogen. Er packte Arbeitsgerät in den Rucksack, stülpte
den Hut auf, an dessen Band der Löwe als Zeichen des Schützamtes und der Schützengewalt steckte. Dann
weckte er seinen ältesten Sohn, hing ihm den Rucksack über und gebot ihm strengstes Schweigen.
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So stapften sie hinaus in die helle Mondnacht. Unsere beiden Wanderer hatten Glück. Kein Mensch
begegnete ihnen und keine Katze lief ihnen über den Weg. Bald nahm der Schlosswald die beiden Wanderer auf, und
die Eiche im Schlosshof war bald gefunden. Das Herz pochte Velten bis zum Hals hinauf, als er sich niederkniete und
den Boden rings um die Eiche untersuchte. Niederes Gestrüpp, dürre Hecken und dürres Laub fand er. Nur
wenige Grasspitzen entsprossen dem mageren Sandboden. Mit einem Seufzer der Erleichterung erhob sich Velten, der Boden
war unversehrt, niemand war ihm zuvorgekommen. Die Bauern hatten ganze Arbeit geleistet.
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Velten spuckte in die Hände und führte den ersten Schlag mit dem Pickel. Er erschrak, als es laut
durch die Stille ringsum schallte, und beschloss, nun vorsichtiger zu sein. Er grub hauptsächlich mit seinen
Händen. Der Sohn musste ihm, durch Zeichen aufgefordert, unterstützen. Kein Laut kam über die Lippen
der beiden, kein ächzen und kein Stöhnen war zu vernehmen, obwohl der Schweiß in Strömen über die
Gesichter floss. Plötzlich griffen die Hände eine Steinplatte. Besondere Vorsicht und hartes Zugreifen
waren jetzt nötig. Nach eifrigem Wühlen war es soweit, dass der kräftige Sohn den Sack hervorziehen
konnte.
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Velten verstaute ihn schnell im Rucksack und gab diesen seinem Sohn auf den Rücken. Mit langen
Schritten, voraus der Vater, ging es nun heimwärts. Kaum vermochte der Sohn mit der schweren Bürde zu
folgen. Da, als sie schon die Hälfte des Weges zurückgelegt hatten, begegnete den beiden auf dem engen Pfad
ein Mann, der laut und vornehmlich mit "Guten Abend" grüßte. Ungewollt, aber gleichsam durch die Umstände
gezwungen, erwiderten Vater und Sohn wie aus einem Mund den Gruß. Mit einem Schlage waren nun die Freude und all das
Glück in Velten erloschen. Er hatte gesprochen, und damit war der große Zauber gebrochen. Daheim angekommen,
wurde der Sohn so schnell wie möglich ins Bett geschickt. Velten aber schloss sich in seiner Kammer ein. Noch am
nächsten Morgen war ihm anzusehen, dass ihm etwas daneben gegangen war. Es dämmerte ihm auch, dass an all
dem Missgeschick nur die Bauern vom Nebentisch im Wirtshaus schuld waren. Er verließ sein Häuschen durch die
Hintertür, den Hut tief ins Gesicht gezogen. So streifte er den ganzen Tag durch Wald und Flur und wisch den
Menschen im großen Bogen aus. - An seinem Hute aber glänzte der Löwe und strahlte, als wolle er seinen
Träger aufmuntern und trösten.
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